Heimathaus

Heimatmuseum


Das Museum
Schon 1991, ein Jahr nach der Vereinsgründung, konnte ein 200 Jahre altes denkmalgeschütztes Fachwerkhaus von privater Seite erworben und dem Verein zur freien Verfügung gestellt werden. Es sollte ein belebtes Museum werden, nicht eines, in dem nur Jahr für Jahr die gleichen alten Ausstellungsstücke zu sehen wären. Das eingeschossige Gebäude mit Kniestock, giebelständigem Satteldach, massivem Hochkeller und ortstypischem Ökonomietrakt wurde von "Franz Anton Lust anno 1792" errichtet. Das bezeugt eine Inschrift am linken Eckbalken des Hauses. In dem Haus wurde um 1870 von den Vorfahren der alteingesessenen Michelbacher Familie Seiser, deren Nachkommen noch bis 1998 im Ort einen Bäcker- und Lebensmittelladen betrieben, die erste Bäckerei des Dorfes eingerichtet.

Bauliche Maßnahmen


Bauliche Tätigkeiten, Beurteilung Gebäude

Das Fachwerkhaus aus dem Jahre 1792 ist ortstypisch mit Ökonomieteil und war bei der Übernahme im Jahre 1991 in sehr renovierungsbedürftigem Zustand. Unser Glück war, dass keine tiefgreifenden Veränderungen der ursprünglichen Substanz in den vergangenen 200 Jahren durchgeführt worden waren. Die einzigen Änderungen waren der Anbau eines WC und eine neue Eingangstreppenanlage.

Die Renovierung wurde vom Denkmalamt Karlsruhe begleitet und war auf das Nutzungskonzept "Heimatmuseum" ausgerichtet. Es wurde also keine Rücksicht auf heutige Ansprüche wie Wohnqualität / Bauvorschriften / Wärmedämmvorgaben usw. genommen, sondern vorrangig der ursprüngliche Zustand bzw. ein "Zustand um 1850" hergerichtet und dies meist unter Verwendung alter Baumaterialien.

Im Aussenbereich wurde der Dachstuhl gerichtet. Der Schleppdachteil hatte sich um 15 cm gesenkt. Aus statischen Gründen wurde das gesamte Dach verschalt, dadurch war es möglich, das gesamte alte Gebälk zu belassen. Das Dach war mit Zement- bzw. Tonziegeln gedeckt, es wurde von uns abgedeckt und mit alten Handstrichbiberschwänzen und Schindeln neu eingedeckt. Die alten Ziegel wurden von verschiedenen Abbruchhäusern abgedeckt und übernommen.

Die Fachwerkfassade wurde ergänzt, teilweise abgebeilt und mit Eichenbohlen ergänzt, der Putz ausgebessert und gestrichen. Ein Wetterschutzdach wurde über dem Erdgeschoss angebracht. Der Sockel war verputzt, das Bruchsteinmauerwerk wurde freigelegt, gesäubert, verfugt und Fehlstellen ergänzt.

Die Eingangstreppe wurde nach alten Fotos mit ausgetretenen Sandsteinstufen nachgebaut, das gleiche gilt für den Vorgarten. In diesem Bereich wurde ein Brunnen gebohrt, davor ein alter Sandsteintrog und der Nachbau einer alten Schwengelpumpe installiert.
Die Pumpe ist ein Anziehungspunkt für die Dorfjugend.

Im angrenzenden Garten wurde ein Backhäuschen erstellt.

Am rückseitigen Giebel wurde die Laubhütte erneuert, so dass ein zusätzlicher Ausstellungsraum gewonnen wurde. In der Laubhütte sind auch Hühner- und Schweinestall angeordnet.

Der ehemalige Stall wurde in den ursprünglichen Zustand versetzt, Sandsteintrog, Boden, Gülleablauf, Futterkrippe und Kuhläden wieder hergestellt. Zwischen den Scheuern war es erforderlich, eine neue Fachwerkwand einzuziehen, die mit Lehmgefachen ausgeriegelt wurde.

Die Tenne wurde hergerichet, über den Scheuern wurden Zwischenbühnen eingezogen und hierdurch größere Ausstellungsflächen geschaffen.

Der Naturkeller wurde hergerichtet mit Verstärkung von Deckenbalken und Verfugung des Mauerwerks. Der Eingang erhielt den Nachbau einer alten Tür. Die Inneneinrichtung entspricht der ländlichen Vorratshaltung.

Die Haustür wurde uns durch Vermittlung des Denkmalamtes überlassen, und wurde in mühsamer Arbeit restauriert. Die Fenster wurden in ursprünglicher Art mit einfacher Verglasung nachgebaut.

Im gesamten Gebäude wurden Wand und Deckenputz abgeschlagen. Unter den Rohrmatten an den Decken kamen die Balken mit den Lehmriegeln in einem recht guten Zustand hervor. Das, was die Vorbesitzer mit Verschalungen begradigt haben, ist von uns wieder in den Urzustand zurückversetzt worden. Fehlstellen wurden mit Lehmputz ergänzt, eine gesamte Decke musste erneuert werden. Die Lehmwickel wurden in Eigenarbeit hergestellt. Zur Demonstration alter Bauart wurden Stellen unvollendet belassen.

Die Holzböden sind größtenteils noch im Urzustand, Oberbeläge und Spachtelungen wurden entfernt. In der ehemaligen Küche und im Flur wurden unter dem neueren Terazzobelag teilweise noch die alten Natursteinquaderplatten vorgefunden, die wir neu verlegten bzw. ergänzten.

In der ehemaligen Küche wurde ein gemauerter Herd mit Esse und ein Spülstein eingebaut. Von dem Herd in der Küche aus können wir räuchern und zwar über eine Rauchumlenkung im Kamin zu dem von uns gebauten Kalträucherschrank im Speicher.

Zum Obergeschoss wurde eine alte handgesägte Eichenholzwangentreppe eingebaut, ebenso wurde eine Speichertreppe eingebaut. Der frühere Zugang zum Speicher war über die Gerüstleiter.

Im ehemaligen Wohnraum im EG wurde unsere Stube eingerichtet, mit Kachelofen und Wandvertäfelungen. Sie dient uns als Vereinsraum.

Vom Stall wurde ein kleiner Teil für eine moderne Funktionsküche abgeteilt, die von der ehemaligen Küche begehbar ist. Die Trennwand zum Stall wurde orginalgetreu mit Bruchsteinen erstellt.

Vom Obergeschoss wurde ein Durchgang zum Ökonomieteil geschaffen, dadurch ist es möglich, unseren Besuchern einen Rundgang anzubieten.
Die Ausstellung selbst ist nach Haushalt und Handwerk gegliedert, die Regalträger wurden von uns aus alten Leitern gebaut.

Für das Backholz wurde im Garten eine Hütte in Fachwerkbauweise erstellt.

Für diese ganzen Arbeiten sind seit 1991 4-5 Vereinsmitglieder jeden Samstag im Einsatz.
Die gesamten Arbeitsstunden belaufen sich bis 2011 auf 25.000 Stunden.